«Alt sein ist eine herrliche Sache, wenn man nicht verlernt hat, was anfangen heisst.»
Martin Buber
Samstag, 29. März 2008
Mittwoch, 19. März 2008
Sonntag, 16. März 2008
Entglitten
Man fährt dich zum Klo, sagt Haller in die Richtung, in die Helen weggestossen wird. Was du nicht mehr selber kannst, musst du mit dir geschehen lassen, magst es inzwischen auch. Du hast dich daran gewöhnt - die an die neuen Seifenspender, die flüssige Seife. Die andere ist dir entglitten, ist dir im Laufe der Jahre immer häufiger entschlüpft. So ist es: Die Seifen sind glitschiger als früher, die Stühle härter, das Licht greller. Und du brauchst immer länger, um zu merken, dass der Zahnpastatubendeckel nicht auf die Venensalbentube passt. An die neuen Milchtüten musst du dich nicht mehr gewöhnen. Du wüsstest nicht, wie sie aufzuschneiden, aufzustechen, aufzubeissen sind, und du bist froh, dass andere es wissen.
Aus: Schubiger, Jürg, Haller und Helen (Roman), Insbruck 2002, S. 66
Aus: Schubiger, Jürg, Haller und Helen (Roman), Insbruck 2002, S. 66
Donnerstag, 13. März 2008
Keine Uebung mehr
«Verdrängt wird nicht nur die Tatsache, dass wir eines Tages nicht mehr da sind, gefürchtet wird vor allem die Hilflosigkeit und Abhängigkeit, die häufig dem Sterben vorangeht. Nur nicht den anderen zur Last fallen, nur nicht auf andere angewiesen sein! "Schrecklich, wenn man diese Existenzen in den Pflegeheimen sieht, so ausgelöscht!" Wir haben keine Uebung im Lesen dieser Gesichter, in der Erfahrung von Menschen, deren Leben verlöscht.»
Judith Giovanelli-Blocher, Ars moriendi oder die Emanzipation des Todes, in: Tertianum - die Zeitschrift für Generationen, Nr. 41, September 2007, S. 34/35
Judith Giovanelli-Blocher, Ars moriendi oder die Emanzipation des Todes, in: Tertianum - die Zeitschrift für Generationen, Nr. 41, September 2007, S. 34/35
Stichworte:
Pflegeheim,
Sterben,
Zitat,
Zitat Giovanelli-Blocher
Dienstag, 26. Februar 2008
Das Haus
Man bewohnt ein Haus, sagt Haller zu sich selbst, in dem man sich nicht auskennt. Ein gelungener Gedanke: Haller nickt ihm zu. Man bewohnt ein Haus, in dem das Licht sich mit den Jahren verdüstert. Die Gänge verbiegen sich, die Treppen werden steiler, Zimmer entstehen, wo vorher Abstellräume oder Gänge waren oder der Innenhof. Die neuen Zimmer sind vielleicht nicht einmal neu, sind vielleicht nur unbeachtet gebliebene alte. Daneben gibt es andere Zimmer, viele, vermutlich ganze Zimmerfluchten, die verschwinden. Im Gefühl des grenzenlosen Verlustes überschätzt man das Haus, seine ehemalige Weitläufigkeit. Als wäre der tatsächliche Umbau und Abbau nicht hart genug.
Aus: Schubiger, Jürg, Haller und Helen (Roman), Insbruck 2002, S. 48
Aus: Schubiger, Jürg, Haller und Helen (Roman), Insbruck 2002, S. 48
Mittwoch, 6. Februar 2008
Schätze
«Alte Menschen sind wie Museen: nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern.»
Jean-Michel Moreau
Jean-Michel Moreau
Montag, 4. Februar 2008
Angemessen
«Nur wer alt wird, erhält eine vollständige und angemessene Vorstellung vom Leben.»
Arthur Schopenhauer
Arthur Schopenhauer
Abonnieren
Posts (Atom)