Dienstag, 22. Januar 2008
Mitgespielt
Jürg Schubiger, Haller und Helen (Roman), Insbruck 2002, S. 122
Der Gedanke daran ...
Lichtenberg, Nachtrag zu den Nachrichten und Bemerkungen über sich selbst
Montag, 21. Januar 2008
Gut untergebracht
«Scheissdreck, ruft Helen laut. Das Wort füllt gleich die ganze Cafeteria aus. Haller holt erschrocken Luft, um zu lachen. Er hat keine Ahnung, was in ihrem Kopf passiert. Helen hat Ideen, die sie stechen wie Hexensschüsse. Haller fragt sich, ob er etwas unternehmen soll. Wenn er sie anfasst, wird die ruhig, wenn er sie nicht anfasst, vermutlich auch. Er beugt sich über den Tisch vor: Ich will dir mal was sagen, Helen Roux. Nach dieser Ankündigung gerät er in eine Lücke. Dann fährt er fort: Wir können uns nicht beklagen. Wir haben alles was wir brauchen, Helen. Und ausserdem ein hochwertiges personal. Wir haben Glück gehabt. Wir haben es immer noch. Wir sind unansehnlich, das schon, und ungeschickt und ungeduldig, aber gut untergebracht.»
Aus: Schubiger, Jürg, Haller und Helen (Roman), Insbruck 2002, S. 49Samstag, 19. Januar 2008
Das Alter gibt nichts zurück
aus Arno Geiger, Der alte König in seinem Exil, NZZ am Sonntag, 25.11.2007, S. 95
Sonntag, 13. Januar 2008
Wir sind vom Leben gerupft
Haller steht mit einem Tablett vor dem Tisch, auf dem Helens Hände liegen. Er schiebt das Tablett an den Händen vorbei und verteilt, behutsam und fast ohne zu zittern, das Hergebrachte. Helen bekommt eine Tasse Kaffee, einen Kaffeelöffel, zwei Becherchen Sahne und eine Tüte Zucker, er selber nur eine Tasse Kaffee. Das Tabett ist leer. Haller weiss nicht recht, wohin damit, stellt es schliesslich, an ein Tischbein gelehnt, zu Boden. Er richtet sich auf und holt Luft. Helen schaut mit schrägem Kopf einäugig zu ihm empor.
Haller ist wie von einem kleinen Donner gerührt. Wir sind hässlch, sagt er. Zwei gerupfte Hühner. Wir sind vom Leben gerupft. Er setzt sich. Wir sollten uns schämen, Helen, weiss Gott, und wir tun es auch. Wir möchten gern schön sein. Einen grösseren Wunsch haben wir nicht.
Helens Hände sind in Bewegung. Sie öffen die Becherchen und die Tüte und treffen mit Zucker und Sahne den richtigen Ort.
Hallers Hände kommen leicht ins Zittern. Eine kleine Anspannung genügt. Sie lassen ihn oft nicht einmal mehr seinen Namen schreiben. Wenn er sie zu beherrschen sucht, widersetzen sie sich. Hallers Mutter würde sagen, "sie machen Tänze". Dann und wann schlagen sie aus wie Pferde, stossen dabei ein Glas um, oder, wie kürzlich, drei Gläser aufs Mal. Haller hat beruhigende Tabletten, die er notfalls auch einnimmt. Was die Tabletten nicht beseitigen, ist ein fremdes Gefühl, das unvermutet auftreten kann, wenn er eine Gabel ergreift, einen Wassehahn dreht, ein Zeitungsblatt wendet, das auftritt und wieder vergeht oder nicht vergeht, als hätte er mehr als zehn Finger, mindestens zwölf, und die kämen sich in die Quere. Haller gibt zu, dass er von seinen Händen enttäuscht ist.
Aus: Jürg Schubiger, Haller und Helen (Roman), Insbruck 2002, S. 28f
Freitag, 4. Januar 2008
Demenz:
«Die Person sickert Tropfen für Tropfen
aus der Person heraus.»
Arno Geiger, Der alte König in seinem Exil, NZZ am Sonntag, 25.11.2007
«Das Leben ist ohne Probleme auch nicht leichter.» - Ein Satz von Arno Geigers Vater.
Der Artikel kann im NZZ-Archiv gesucht und bezogen werden (kostenpflichtig).
Donnerstag, 20. Dezember 2007
Nie alt
Rückert, Weisheit des Brahmanen 20. Buch, 22